Von Mathias Zeuner auf Dienstag, 26. März 2024
Kategorie: Project Management

Auszeit - Kann man aus einem Jahr Auszeit etwas lernen? Vielleicht.

„Ein Sabbatical, eine längere Auszeit vom Beruf, bietet eine einzigartige Gelegenheit, sich persönlich weiterzuentwickeln und neue Perspektiven zu gewinnen. Dies gilt insbesondere für Fachleute im Bereich Projektmanagement, wo die Kommunikationsfähigkeiten und das Management von Ressourcen und Teams entscheidend sind.“

Das behauptet zumindest ChatGPT. Mit meinen Worten: Ich hatte die Gelegenheit, mich ein Jahr auf meine persönlichen Projekte zu konzentrieren.

Die Bedeutung eines Sabbaticals

„Ein Sabbatical ist mehr als nur eine Pause von der Arbeit. Es ist eine Zeit für Erholung, Reflexion und persönliches Wachstum. Für Projektmanager, die in einem Feld arbeiten, das ständige Aufmerksamkeit und schnelle Entscheidungsfindung erfordert, bietet ein Sabbatical die Möglichkeit, sich vom täglichen Stress zu erholen und neue Energie zu tanken.“

Retrospektiv betrachtet kann ich dem AI-Sprachmodell zustimmen. Einfach ausgedrückt: Im Sabbatical kann man es sich aussuchen, wovon man sich stressen lässt. Bei mir war es der Wahlkampf. 

Kommunikation

Also das Ehrenamt. Natürlich gibt es zahlreiche Aspekte, in denen sich ein Wahlkampf und das Leiten eines IT-Projekts gleichen. Ich will ein zentrales Element herausgreifen: die Kommunikation.

Ein Problem mit der „Kommunikation“ ist: Es herrscht oft Einigkeit darüber, dass sie den Attributen: „schlecht“, „ungenügend“, „nicht zielführend“ genügt oder genügt hat. Weniger klar ist, was denn besser gemacht werden kann, und darunter liegend, was denn eigentlich genau mit „schlechter Kommunikation“ gemeint ist.

Oft taucht dann „die Kommunikation“ wieder bei den Lessons Learned auf. Das habe ich im Wahlkampf genauso erlebt wie im Projektmanagement. In beiden Fällen mit vorhersagbarem Ergebnis: Der alten Erkenntnis, dass Kommunikation ja nun mal nicht das ist, was man sagt, sondern das, was beim Anderen ankommt.

An der Stelle geht dann alles wieder von vorne los, denn mehr als Artikulieren kann ich ja nun nicht. Es ist ein Scheinargument, eines, dem man kaum widersprechen kann, aber das gleichzeitig die weitere Auseinandersetzung mit dem Thema schwierig bis unmöglich macht.

Dabei zeigt die Erkenntnis doch einiges sehr deutlich: Es geht im Umfeld des Projektmanagements, genauso wie im Wahlkampf, nicht um „die Kommunikation“. Es geht um eine zielgerichtete, auf einen Zweck hin ausgerichtete Kommunikation. Eine, deren Erfolg im Wesentlichen über das übergeordnete Ziel definiert wird. Wir reden über den Versuch des Transports spezifischer Botschaften von Mensch zu Mensch, mit dem Ziel ein Ergebnis zu erreichen.

Die Verbesserungswürdigkeit der zielgerichteten Kommunikation liegt also in der Verbesserung der Zielerreichung. Nicht primär beim technischen Prozess oder der Zufriedenheit beim Dialog morgens beim Bäcker beim Brötchenholen.

Wenn es allgemeingültig stimmt, dass erfolgreiche Kommunikation von Sender UND Empfänger abhängt – und welcher Netzwerker würde das Bestreiten – dann habe ich als Lenker und Steuerer eines Wahlkampfs/eines Projekts ein Problem: Ich muss wissen, wie der Andere funktioniert. 

Schlüssel

„Kommunikation ist ein Schlüsselelement im Projektmanagement.“

So weit, so gut. Ist der Satz nun weniger richtig oder falsch, weil ChatGPT ihn geschrieben hat? Oft wird auf eine solche Frage geantwortet, es käme ja nun mal auf die Fakten an, nicht darauf, wer wann was wie gesagt hätte. Im OSI-Layer Modell, bei der TLS und beim Brötchenkaufen ist der letzte Satz richtig. Im Wahlkampf und im Projektmanagement nicht.

Sie können über ein 10 Minuten-Meeting oder ein Gespräch am Wahlstand 10 Seiten Protokoll schreiben, das nützt ihnen weder politisch noch im Erreichen ihrer Projektziele etwas, wenn die Meinungen über den Sachverhalt hinterher immer noch auseinandergehen. Es kommt nicht in erster Instanz auf Reproduzierbarkeit, Konsistenz und formale Richtigkeit an. Es kommt darauf an, dass im Kopf des Empfängers das gewünschte Bild entsteht. 

Verbesserung der Kommunikationsfähigkeiten

Bedeutet das dann, Kommunikation und Kommunikationserfolg im Projekt lassen sich nicht messen, steuern, bewerten und verbessern? Nun, gemessen am eigenen Wahlergebnis, am Abschneiden in meinem Wahlkreis, müsste ich wohl sagen: Ich habe komplett versagt, auch kommunikativ.

Ich tue das nicht, denn: Kommunikation allein löst keine Probleme. Kommunikation ist nicht skaleninvariant. Sie ist auch nicht beliebig formalisierbar und sie ist nicht zielunabhängig. Anders ausgedrückt: Sie können ein Kommunikationsgenie sein; wenn Ihre Entscheidungen im Projekt falsch, Ihre Wahlbotschaft unbeliebt ist, werden Sie ihr Ziel nicht erreichen. Aber, Sie erreichen ihr Ziel auch nicht, wenn Ihre Entscheidung oder Botschaft die richtige ist, eine der möglich richtigen, aber Sie es nicht schaffen, den Empfänger davon zu überzeugen, mit Ihnen an einem Strang zu ziehen. Oder konstruktiv an der Veränderung der Entscheidung oder der Botschaft zu arbeiten, um gemeinsam erfolgreich zu sein.

Aber, sie hat in unserem Zusammenhang eine immer gleichbleibende Komponente: den Menschen. Und dem ist es eben nicht egal, wer wann was wie sagt. Im Gegenteil.

Sie können über die Verbesserung der Kommunikationsfähigkeit nicht die Qualität ihrer Entscheidungen oder die Beliebtheit ihres Wahlprogramms verbessern. Und Sie können ihre Kommunikationsfähigkeit nicht durch Formalisierung oder Delegation verbessern. Aber Sie können üben, Andere besser zu verstehen.

Das habe ich im Sabbatical gelernt. 

Fazit

„Ein Sabbatical ist nicht nur eine Auszeit, sondern auch eine Investition in die persönliche und berufliche Entwicklung. Für Projektmanager bietet es eine besondere Chance, die Kommunikationsfähigkeiten zu stärken und neue Perspektiven zu gewinnen, die sich positiv auf ihre Arbeit auswirken können. Es ist eine Gelegenheit, sich selbst neu zu entdecken und mit erweiterten Fähigkeiten und frischer Energie zurückzukehren.“

Versuchen Sie, dieses Fazit/diese Botschaft als von mir gesendet, als wahr und authentisch, zu betrachten, obwohl sie von ChatGPT geschrieben wurde. Es wird Ihnen nicht gelingen. Wir sind nur Menschen. 😊

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