Vor einigen Jahren habe ich begonnen, einen Teil meiner gesundheitlichen Probleme durch Fahrradfahren in den Griff zu bekommen. Nachdem das erstaunlich gut funktioniert hat (meine persönliche Empfehlung bei Kniearthrose), entwickelte sich daraus schnell mehr als nur eine Therapie, nämlich ein echtes Hobby und natürlich kam dabei auch der beruflich geschulte Ehrgeiz durch.
Gut, die Tour de France ist vielleicht etwas zu ambitioniert und für einen Einstieg in den Profisport bin ich mit fast 60 Jahren wohl ein wenig zu spät dran.
Dann kam letztes Jahr die Idee: Teilnahme am 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring. Als Motorsportfan war mir die „Grüne Hölle“, wie die Nordschleife auch genannt wird, natürlich längst ein Begriff.
Die Teilnahme als Einzelstarter habe ich mir allerdings nicht zugetraut. Also habe ich bei der ORDIX AG nach Mitstreitenden gesucht, denn ich wusste, dass wir einige ambitionierte Radfahrer:innen im Unternehmen haben. Ruckzuck waren acht Interessent:innen gefunden.
Die nächste Hürde war die Anmeldung. Einen Startplatz zu ergattern, hat tatsächlich erst im dritten Anlauf funktioniert, der Andrang war einfach riesig. Überglücklich bin ich anschließend zu unserem Vorstand gegangen. Dankenswerterweise ist unser Hauptaktionär mit privaten Mitteln für ein Sponsoring der Team-Trikots eingesprungen. Die verbleibende Zeit haben wir dann mehr oder weniger intensiv mit Training verbracht.
Am vergangenen Wochenende war es dann endlich so weit
Mit reichlich Gepäck, Campingausrüstung und natürlich unseren Fahrrädern machten wir uns auf den Weg nach Nürburg. Vor lauter Aufregung und Adrenalin habe ich an diesem Wochenende nur wenige Stunden geschlafen und das, obwohl ich komfortabel im Camper unterwegs war und nicht wie meine deutlich jüngeren Mitarbeitenden im Zelt auf Isomatten.
Die erste Geduldsprobe erwartete uns bereits am Eingang: Rund eineinhalb Stunden standen wir in der Warteschlange. Auf unserer Parzelle angekommen, wurden wir dafür mit lautstarker Ballermann-Musik begrüßt. Auch das hat vermutlich zu meinen Schlafproblemen beigetragen, gefühlt lief die Beschallung rund um die Uhr. Aber Vorfreude lässt bekanntlich vieles ertragen.
Am Samstag um 12:30 Uhr fiel schließlich der Startschuss. Mit großer Motivation ging es als Team gemeinsam auf die Strecke, die zu diesem Zeitpunkt noch extrem voll war. Schon nach wenigen Kilometern stellte sich das erste breite Grinsen ein: Die Fuchsröhre mit über 80 km/h nahezu mühelos hinunterzufahren, ist ein beeindruckendes Erlebnis. Dann kommt sie: die „Schrankwand" namens Hohe Acht. Der höchste Punkt der Strecke, mit bis zu 18 Prozent Steigung, absolut erbarmungslos.
Spätestens dort stellt man sich die Frage: Warum tut man sich das eigentlich an? Vor allem, wenn einem bewusst wird, dass dieses Rennen insgesamt 24 Stunden dauert.
Zum Glück wurden die weiteren Runden als Staffel gefahren, sodass theoretisch immer nur ein Teammitglied gleichzeitig auf der Strecke war. Da wir jedoch Teilnehmende zwischen 19 und 70 Jahren im Team hatten, entschied sich die energiegeladene Jugend spontan dazu, gleich mehrere Runden am Stück zu fahren. Rein rechnerisch hätte bei uns jede:r Teilnehmende nicht einmal drei Runden absolvieren müssen.
Bleibt die Frage: Warum macht man so etwas?
Wegen des Erlebnisses. Wegen der Atmosphäre (besonders in den Nachtstunden), wegen des Teamgeists, wegen der Herausforderung und wegen dieses besonderen Gefühls, wenn man am Ende tatsächlich ins Ziel kommt.
Für unsere Leistung gab es zwar „nur“ eine Teilnehmermedaille, doch mit Platz 97 von 134 Teams in unserem sehr heterogenen Teilnehmerfeld können wir mehr als zufrieden sein.
Was mich als Initiator besonders freut: Alle Kolleg:innen wollen im nächsten Jahr wieder dabei sein.
Die Freude des Leidens eben.
Manche Herausforderungen erscheinen völlig verrückt, wenn man vor ihnen steht. Genau deshalb sind sie oft die Erlebnisse, an die man sich noch Jahre später erinnert. Wir sehen uns 2027 beim Rad am Ring Event. 🚴♂️🏁
Entdecken Sie unser Seminarangebot
ZUM SEMINARSHOP
Mehr erfahren